Am 11. Oktober 2015 fanden in Weißrussland Präsidentschaftswahlen statt. In diesem Blog berichtete das Büro Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Hintergründe und Entwicklungen. Die Beiträge sind auf dieser Seite archiviert. Für jüngere Kommentierungen folgen Sie uns bitte auf Twitter oder Facebook.


Sonntag, 20. September 2015

Kandidatenportrait Sergej Gaidukewitsch


Sergej Gaidukewitsch. Credits: Belta
Der 61-jährige Sergej Gaidukewitsch ist Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei von Belarus und einer von vier Kandidaten bei der Präsidentenwahl 2015. Seinen Wahlkampf führt Gaidukewitsch unter dem Motto „Für ein starkes Belarus“. Der zentrale Slogan seiner Kampagne: „Ordnung im Land, Wohlstand zu Hause“. Außenpolitisch setzt er sich für eine „Union mit dem Osten“ und „Partnerschaftsbeziehungen mit dem Westen“ ein.  

In seinem Programm erklärt Gaidukewitsch, dass er kategorisch “gegen Abenteuer in der Politik“ sei. In sozialer Hinsicht sei es notwendig, den Mindestlohn auf das Existenzminimum anzupassen.

Gaidukewitsch befürworten auch die Wiederbelebung der Arbeitsrente sowie individuelle Rentenkonten und die Entwicklung eines Systems der privaten Rente. Wirtschaftlich sollten aus seiner Sicht alle registrierten Betriebe reformiert und die Schattenwirtschaft verdrängt werden. 
Business ist der Motor der Wirtschaft gibt er in seinem Programm kund. Er spricht sich für drei Jahre Mietefreiheit für kleine und mittlere Unternehmen aus.

So sozial-liberal diese Programmteile daher kommen, so klar ist auch Gaidukewitschs Nähe zum politischen Establishment in Belarus. Friedliche Änderungen und gemeinsame Anstrengungen mit der Regierung seien notwendig, um die wirtschaftliche Situation in Belarus zu verbessern, so Gaidukewitsch. In seiner Fernsehansprache am 15. September 2015 dankte Gaidukewitsch dem amtierenden Staatspräsidenten für den Erhalt der Unabhängigkeit und Souveränität von Belarus. 

Aufschlussreich ist auch sein politischer Werdegang, der aufs Engste mit dem System Lukaschenko verbunden ist - obschon er seit 2007/2008 offenkundig die Gunst der Staatsführung verloren hat:

Gaidukewitsch wurde am 8. September 1954 in der Stadt Minsk in der Familie eines Militärangehörigen geboren. Im Jahr 1976 absolvierte er die Minsker Höhere Ingenieurschule der Anti-Raketen-Luftverteidigungskräfte. Im Jahr 1989 absolvierte er die Schukow-Militärakademie für Kommandeure der Luftverteidigung in Twer (Russland). Von 1976 bis 1991 diente er in Befehlsstellen in den Streitkräften der UdSSR.

Im Jahr 1992 vereinigte Gaidukewitsch mehrere politische Parteien und soziale Bewegungen in einem politischen Block Volksbewegung in Belarus und wurde zu zum Vorsitzenden des Koordinierungsausschusses ernannt.

In der Zeit von 1991 bis 1992 arbeitete er in der Nationalen Sicherheitsbehörde der Republik Belarus. 1992 bis 1994 stand er als Vorsitzender dem Ausschuss für den sozialen Schutz der Soldatinnen, Soldaten und Offiziere der Sicherheitsorgane sowie der Organe für innere Angelegenheiten und Grenzschutz, Soldaten-Internationalisten und ihre Familien beim Ministerrat der Republik Belarus vor.

Ende 1994 trat Gaidukewitsch als Vorsitzender des Koordinierungsausschusses von „Volksbewegung in Belarus“ zurück, danach hört der Block auf zu existieren. Sergej Gaidukewitsch wurde 1994 - im Jahr des Amtsantritts von Alexander Lukaschenko - Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei.
Im Jahr 1995 wurde Gaidukewitsch Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei und zum Vorsitzenden des Obersten Rates der LDP gewählt. Erstmals im März nominierte seine Partei Gaidukewitsch als Präsidentschaftskandidat für die Präsidentschaftswahlen 2001. 2004 stellte die Liberal-Demokratischen Partei Kandidaten in allen 110 Wahlbezirken.

Von 2004 bis 2008 war Gaidukewitsch Mitglied des Repräsentantenhauses der Nationalversammlung der Republik Belarus und arbeitete als Mitglied im Ständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses der Nationalversammlung der Republik Belarus für internationale Angelegenheiten und Beziehungen mit den GUS-Staaten.

Am 14. Dezember 2006 wurde Gaidukewitsch als Sonderbeauftragter des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Belarus ernannt, unter Beibehaltung der Präsidentschaft der Liberal-Demokratischen Partei und des Abgeordnetenstatus im Repräsentantenhaus der Nationalversammlung der Republik Belarus. Im September 2007 wurde ihm der Posten des Sonderbeauftragten entzogen.

Im Jahr 2010 nominierte die Liberal-Demokratischen Partei Gaidukewitsch als Präsidentschaftskandidaten für die Präsidentschaftswahlen. Nach der Registrierung der größten Initiativgruppe (mehr als 10.000 Menschen) und dem Sammeln für die Registrierung notwendigen 100.000 Unterschriften, zog er seine Kandidatur zurück, weil er meinte, dass alles nur eine Farce sei, an der sich selbst achtende Politiker nicht teilnehmen sollte.

Obschon sich seit den Präsidentschaftswahlen 2010 am inneren Setting des politischen Systems in Belarus nichts Wesentliches geändert hat, tritt er nun 2015 dennoch an. Es muss davon ausgegangen werden, dass seine Kandidatur der Staatsführung aufgrund der nur geringen Anzahl von gerade einmal vier Präsidentschaftskandidaten diesmal gelegen kam.
Sergej Gaidukewitsch ist verheiratet hat zwei Kinder. Er liebt Musik (er absolvierte die Musikschule, Bajan), schreibt Gedichte, interessiert sich für Literatur, Angeln und Jagen.