Am 11. Oktober 2015 fanden in Weißrussland Präsidentschaftswahlen statt. In diesem Blog berichtete das Büro Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Hintergründe und Entwicklungen. Die Beiträge sind auf dieser Seite archiviert. Für jüngere Kommentierungen folgen Sie uns bitte auf Twitter oder Facebook.


Donnerstag, 25. Juni 2015

Kandidatensteckbrief Tatjana Korotkewitsch

Tatjana Korotkewitsch im Juni 2015.
Credits: Gramada.
Tatjana Korotkewitsch ist seit 2006 die erste Präsidentschaftskandidatin, die durch mehr als nur eine Partei unterstützt wird. Sie tritt für das Bündnis „Volksreferendum“ an, das seit 2014 eine politische Mobilisierungskampagne durchführt, indem es die Bevölkerung zu relevanten wirtschaftlichen, militärischen, sozialen, finanziellen und politischen Fragen anspricht und dabei rund 70.000 Unterschriften für die Durchführung eines Referendums zu diesen Fragestellungen gesammelt hat.

Unterstützt wird sie als Kandidatin für die Wahlen im Herbst vor allem durch die parteiähnliche Kampagne „Sag die Wahrheit“ sowie durch die EVP-Partnerpartei Belarussische Volksfront. Aktives Mitglied des Bündnisses „Volksreferendum“, jedoch nicht Unterstützer im engeren Sinne sind ferner auch die EVP-nahe Organisation „Für die Freiheit“ von Alexander Milinkewitsch, der 2006 einheitlicher Oppositionskandidat war, sowie die sozialdemokratische Partei von Belarus (Gramada). Beide Organisationen beteiligen sich jedoch nicht an der Unterstützergruppe von Tatjana Korotkewitsch.

Seit Mai 2015 betreibt Tatjana Korotkewitsch einen aktiven Vorwahlkampf, bei dem sie Wert auf Kontakte zur Bevölkerung auch außerhalb von Minsk legt. Innovativ war ihr Vorgehen, bereits im Vorwahlkampf öffentlich zu plakatieren. Die Zentrale Wahlkommission musste zugeben, dass dies in der von Tatjana Korotkewitsch realisierten Form zulässig war. Tatjana Korotkewitsch gestaltet zudem einen modernen und aktiven Internetwahlkampf.

Tatjana Korotkewitsch im Gespräch mit einer Bürgerin.
Credits: Белорусский партизан.
Politische Schwerpunkte setzt Tatjana Korotkewitsch vor allem bei den Themen der Kampagne „Sag die Wahrheit“: der Arbeitsweise des Gesundheits- und Bildungsbereiches, des Wahlverfahrens für öffentlich Bedienstete, der Neutralität des Landes und der wirtschaftlichen Öffnung von Belarus in Richtung Europäische Union. Dies beinhaltet, dass sie sich für Änderungen im bestehenden System einsetzt und sich damit von denjenigen Parteien absetzt, die offen nach einem Umsturz im Land rufen.

Auch wenn klassische Einteilungen in Belarus kaum greifen, ist sie doch am ehesten im sozial-liberalen Lager einzuordnen und reflektiert damit eine im Land aktuell weit verbreitete Stimmung für Wirtschaftsreformen unter Beibehaltung hoher Sozialleistungen.

Für ihre Kampagnenführung kann Tatjana Korotkewitsch unter anderem auf Erfahrungen zurückgreifen, die sie als Kampagnenmanagerin für Uladzimir Niklaev gesammelt hat, der 2010 Präsidentschaftskandidat der Kampagne „Sag die Wahrheit“ war. Durch ihre frühere Tätigkeit als Schulpsychologin und für die NGO "Familienplattform" hat Tatjana Korotkewitsch zudem ausgeprägte praktische Expertise in sozialen Fragen.

Für den Fall, dass Anatol Lebedko wie von ihm thematisiert tatsächlich seine Kandidatur kurz vor dem Wahltermin zurückzieht, erscheint aktuell nicht ausgeschlossen, dass Tatjana Korotkewitsch die meisten Stimmen im Oppositionslager erhält.

Die 38-jährige verheiratete Mutter eines Sohnes lebt in Minsk.

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