Am 11. Oktober 2015 fanden in Weißrussland Präsidentschaftswahlen statt. In diesem Blog berichtete das Büro Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Hintergründe und Entwicklungen. Die Beiträge sind auf dieser Seite archiviert. Für jüngere Kommentierungen folgen Sie uns bitte auf Twitter oder Facebook.


Freitag, 15. Mai 2015

Reaktionen auf die Aufnahme von Belarus in den Bologna-Prozess

AD  at Student Voices Discussion  20 August 2012
Photo: Flickr / US Department of Education
Am 14. Mai 2015 wurde auf der Ministerkonferenz des Europäischen Hochschulraums (EHR) in Eriwan (Armenien) beschlossen, Belarus in den Bologna-Prozess aufzunehmen. Noch 2012 wurde die Frage der Aufnahme von Belarus von der Tagesordnung abgesetzt, da die Arbeitsgruppe des Bologna-Prozesses festgestellt hatte, dass das Land auf den Europäischen Hochschulraum noch nicht vorbereitet war. Der Grund war das Scheitern von Belarus bei der Erfüllung der Prinzipien, auf die der EHR aufbaut: Hochschulautonomie, akademische Freiheit und Beteiligung der Studierenden an der Verwaltung der Hochschulen.

Der Bildungsminister von Belarus, Michail Shurawkow sieht in dem Beitritt Bestätigung und Aufgabe zugleich: "Für Belarus ist es ein wichtiger und verantwortlicher Schritt zur Entwicklung des nationalen Bildungssystems. Dieser Schritt spiegelt ein hohes Niveau des belarussischen Bildungssystems wider und stellt vor uns große Aufgaben zur Entwicklung und Erneuerung des Bildungssystems."

Obschon Reformen in Belarus sichtbar sind, behalten viele unabhängige Bildungsexperten eine kritische Haltung dazu, wie bereit Belarus für die Teilnahme an Bologna aktuell ist. Diese Haltung wird auch durch die demokratische belarussische Opposition mehrheitlich geteilt.

Der Mitvorsitzende des Gründungskomitees der Partei “Belarussische Christliche Demokratie”, Vital Rymascheuski, hält die Aufnahme für einen Vorschuss an die belarussische Regierung. Er bezweifelt, dass die Regierung diese Chance richtig nutzen kann. Die der Partei “Belarussische Christliche Demokratie” nahe stehenden Jungen Christdemokraten bedauern, dass der Bologna-Beitritt von Belarus keine Reformen im Bildungswesen herbeigeführt hat. Zugleich sehe man aber im Zusammenhang mit dem Beitritt mehr Chancen sowohl für die belarussischen Studierenden als auch für die Arbeit der Jugendorganisationen.

Der Vorsitzende der Vereinigten Bürgerpartei, Anatol Liabedzka, ist der Meinung, dass eine tiefgreifende Reformierung eines einzelnen Bereichs ohne Änderung des gesamten Regierungssystems nicht möglich ist. Er hält einen “Bologna-Prozess” für alle Lebensbereiche in Belarus für nötig.

Dass Belarus den 2012 auferlegten Verpflichtungen nicht nachgekommen ist, ist auch das Mitglied des Rates der Bewegung “Für die Freiheit”, Ina Kulej, überzeugt. Sie erhofft aber, dass dank dem Bologna-Beitritt mehr belarussischen Studenten im Ausland studieren können und dadurch die europäischen Werte besser wahrnehmen können.

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