Am 11. Oktober 2015 fanden in Weißrussland Präsidentschaftswahlen statt. In diesem Blog berichtete das Büro Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Hintergründe und Entwicklungen. Die Beiträge sind auf dieser Seite archiviert. Für jüngere Kommentierungen folgen Sie uns bitte auf Twitter oder Facebook.


Samstag, 14. März 2015

Staatssekretär des Vatikans Pietro Kardinal Parolin besuchte Belarus

Der Staatssekretär des Vatikans, Pietro Kardinal Parolin, besuchte vom 12. bis 15. März 2015 Belarus. Auf dem Programm standen unter anderem Gespräche mit dem Metropoliten von Minsk und Saslawl, dem Patriarchenexarch von ganz Belarus, Pawel, sowie Treffen mit Mitgliedern der Konferenz katholischer Bischöfe in Belarus und mit der christlichen Jugend. Außerdem fand ein Gespräch mit Präsident Lukaschenko statt. Kardinal Parolin legte zudem den Grundstein für den Neubau der Vertretung der Apostolischen Nuntiatur in Minsk.

Der Besuch des Kardinals findet vor dem Hintergrund einer durchaus gespannten Situation der Katholischen Kirche in Belarus statt. Medienberichten zufolge möchte die katholische Kirche in Belarus zunächst einen dritten Anlauf unternehmen, um den Papst für einen Besuch in Minsk zu gewinnen. Dies erscheint vor allem deshalb nicht ohne Weiteres möglich, da Belarus durch das Moskauer Patriarchat der Russischen Orthodoxen Kirche als eigenes kanonisches Gebiet betrachtet wird. Formell gesehen stellt auch die Belarussische Orthodoxe Kirche nur ein Exarchat, d. h. eine Abteilung der Russischen Orthodoxen Kirche Patriarchats dar. Obwohl nach der belarussischen Gesetzgebung sowohl die Katholische Kirche wie auch die Orthodoxe Kirche in Belarus über gleiche Rechte verfügen, ist der Einfluss des Moskauer Patriarchats deutlich ausgeprägter als der der Katholischen Kirche, was beispielsweise an der 2003 unterzeichneten Kooperationsvereinbarung zwischen der Belarussischen Orthodoxen Kirche und der Regierung der Republik Belarus ersichtlich ist. 2008 bezeichnete Präsident Lukaschenko die Orthodoxe Kirche als „Chefideologen unseres Landes“. Während des Besuches nutzte der weißrussische Präsident die Gelegenheit für eine Klarstellung: Jeder Mensch in Belarus habe das Recht, seinen eigenen Weg zu Gott zu finden, erklärte Lukaschenko. Außenminister Makei stellte klar, dass der Vatikan für Belarus ein wichtiger außenpolitischer Partner sei. Diese Bekundungen blieben nicht ohne Reaktion: Der Vatikan sei bereit, Präsident Lukaschenko zu empfangen.

Speziell Positionierungen der Staatsführung gegen die Präsenz ausländischer katholischer Priester in Belarus sorgten zuvor für Irritationen. Grundsätzlich steht die Staatsführung vor allem der Karitas kritisch gegenüber, da hier eine Einflussnahme in die Sozialpolitik der Regierung gesehen wird. Nach einem Medienbericht hatte sich der belarussische Beauftragte für Religionen und Nationalitäten, Leanid Huliaka, erst im Januar 2015 gegen die Anwesenheit insbesondere polnischstämmiger Priester gewandt, da diese versuchen würden, sich in die Politik einzumischen. "They do not like our country, our laws, or our government. In these kinds of situations we should not allow them to continue serving in Belarus”, wurde er zitiert. In eine ähnliche Richtung argumentierte ebenfalls im Januar 2015 Präsident Lukaschenko. Nun, im Umfeld des hochrangigen Vatikan-Besuchs hat Lukaschenko klargestellt, woran sich seine Kritik gegenüber der Katholischen Kirche weiterhin festmache: Er wünsche sich mehr katholische Priester aus Belarus.

Nach offiziellen Angaben sind rund 60 Prozent der Belarussen gläubig. 82 Prozent hiervon sind orthodoxen Glaubens, 12 Prozent katholisch, 6 Prozent Angehörige anderer Religionen. Verschiedene weitere Erhebungen geben hiervon abweichende Zahlen an: http://churchby.info/bel/857/, http://naviny.by/rubrics/society/2011/12/23/ic_articles_116_176268/ sowie http://people.onliner.by/2013/03/22/veruyu.

Speziell für die Partei "Belarussische Christliche Demokratie" sind Fragen des Christentums und der christlichen Werte wichtige Ecksteine ihres Parteiprogramms.